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Wenn alle krank sind: Wie man als Familie durch die erste Erkältungswelle kommt
Der Herbst ist da – und mit ihm kommen bei vielen Familien nicht nur kühlere Temperaturen, sondern auch die ersten Infekte. Besonders mühsam wird es, wenn nicht nur die Kinder krank sind, sondern gleich die ganze Familie.
Bei uns ist es gerade genau so.
Unsere 15 Monate alte Tochter hat Covid, unsere Große hustet und auch wir Erwachsenen sind ziemlich angeschlagen. Ich habe mir den Nacken verrissen, bin müde und habe Rückenschmerzen. Meine Frau, die zweite Mama unserer Kinder, hat ebenfalls Rückenschmerzen und ist erschöpft.
Kurz gesagt: Hier ist gerade niemand wirklich fit.
Und trotzdem müssen zwei kleine Kinder versorgt, getröstet, beschäftigt und gefüttert werden.
Wenn alle krank sind, gibt es keinen Ausfall
Das ist wahrscheinlich das Anstrengendste daran. Wenn ich krank bin, kann ich mich normalerweise hinlegen. Wenn meine Frau krank ist, kann sie sich normalerweise ausruhen. Mit kleinen Kindern funktioniert das nur bedingt.
Auch wenn man selbst Fieber, Rückenschmerzen oder einfach keine Energie hat, möchte das Kind etwas essen, braucht eine frische Windel, möchte getragen werden oder hat gerade ganz dringend Lust auf ein Buch.
Besonders schwierig ist es, wenn beide Eltern gleichzeitig angeschlagen sind. Dann kann man sich nicht einmal richtig gegenseitig auffangen. Deshalb haben wir für solche Tage eine ganz wichtige Regel:
Die Ansprüche werden heruntergeschraubt und zwar radikal.



Jetzt ist Energiesparen angesagt
Wenn alle krank sind, muss das Zuhause nicht perfekt aussehen. Es muss auch nicht jeden Tag frisch gekocht werden und die Kinder brauchen kein pädagogisch wertvolles Beschäftigungsprogramm.
Wir plündern in solchen Phasen den Tiefkühler, bestellen Essen oder machen das, was gerade am wenigsten Aufwand verursacht. Nudeln mit Butter? Perfekt. Toast und Obst? Auch gut. Lieferdienst? Unbedingt.
Die Wäsche kann warten und die Wohnung darf aussehen, als wäre gerade ein Wirbelsturm durchgezogen.
Jede Energie, die wir nicht für Haushalt oder Organisation brauchen, bleibt für die Kinder und fürs Gesundwerden übrig.
Und womit beschäftigt man kranke Kinder?
Auch hier darf man es sich einfach machen. Wenn ein Kind krank ist, muss man nicht den ganzen Tag kreative Angebote vorbereiten. Bücher anschauen, Hörspiele hören, gemeinsam ein kurzes Video oder Fotos anschauen, puzzeln oder einfach auf der Couch kuscheln reicht völlig. Bei uns darf‘s in solchen Phasen auch etwas mehr Bildschirmzeit sein. Ich finde, gerade wenn Eltern selbst krank sind, darf man hier alle eigenen Regeln ein bisschen lockerer sehen.
Das Ziel ist nicht, den perfekten Familientag zu gestalten. Das Ziel ist, dass alle irgendwie durch den Tag kommen.
Besonders schwierig: Wenn das Kind nur Mama will
Bei unserer Kleinen kommt noch dazu, dass sie sehr viel gestillt wird und sich aktuell kaum von jemand anderem als uns übernehmen lässt. Auch die Großeltern sind keine Option, wenn sie krank ist. Das bedeutet: Selbst wenn meine Frau eigentlich selbst völlig erschöpft ist, ist sie für unsere Kleine weiterhin die wichtigste Anlaufstelle. Und genau solche Situationen zeigen, wie wichtig ein Unterstützungsnetzwerk wäre. Denn manchmal hilft der beste Organisationsplan nichts, wenn das Kind gerade ausschließlich eine bestimmte Person möchte.
Was, wenn niemand aus der Familie helfen kann?
Nicht jede Familie hat Großeltern in der Nähe. Und manchmal sind auch Oma und Opa selbst krank oder können aus anderen Gründen nicht einspringen.
Eine Möglichkeit in Österreich ist in solchen Situationen der Verein KiB children care mit seiner Initiative notfallmama. Der Verein organisiert österreichweit Betreuung zu Hause, wenn ein Kind krank ist, Eltern selbst erkrankt oder überlastet sind und niemand aus dem persönlichen Umfeld helfen kann. Eine Notfallmama kann stundenweise für bis zu drei Tage pro Krankheitsfall organisiert werden.
Die Initiative ist besonders für Familien interessant, die sonst niemanden haben, der kurzfristig einspringen kann. Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft bei KiB; diese kostet derzeit 16,50 Euro pro Monat für die ganze Familie.
Das ist natürlich nicht für jede Familie die passende Lösung – gerade ein sehr kleines oder stark an die Eltern gebundenes Kind lässt sich vielleicht auch von einer Notfallmama nicht sofort übernehmen. Aber ich finde es wichtig, solche Angebote überhaupt zu kennen und wir nutzen es für unsere Ältere öfters.
Auch die Arbeit darf in solchen Phasen warten
Wenn das eigene Kind krank ist, müssen Eltern nicht automatisch Urlaub nehmen.
Arbeitnehmer:innen haben grundsätzlich Anspruch auf bezahlte Pflegefreistellung. Im Ausmaß der eigenen Wochenarbeitszeit steht pro Arbeitsjahr zunächst eine Woche zur Verfügung. Für ein neuerlich erkranktes Kind unter zwölf Jahren kann unter bestimmten Voraussetzungen eine zweite Woche möglich sein. Die Pflegefreistellung kann auch stundenweise genommen werden.
Wichtig: Den Arbeitgeber sollte man sofort informieren, wenn man Pflegefreistellung benötigt. Als Nachweis kann grundsätzlich eine Mitteilung oder – wenn verlangt – eine ärztliche Bestätigung dienen. Verlangt der Arbeitgeber eine ärztliche Bestätigung, muss er die dadurch entstehenden Kosten übernehmen. Bei unserem Hausarzt ist es sogar kostenlos.
Gerade in einer Woche, in der ein Kind krank ist und gleichzeitig vielleicht noch ein Geschwisterkind und ein kranker Elternteil dazukommen, kann diese Möglichkeit enorm entlasten.
Unser wichtigster Tipp: Nicht versuchen, normal weiterzumachen
Ich glaube, das ist die größte Herausforderung. Man denkt: „Wir müssen trotzdem funktionieren.“
Also versucht man zu arbeiten, aufzuräumen, zu kochen, die Kinder zu beschäftigen, Termine einzuhalten und irgendwie den normalen Alltag weiterzuführen. Aber wenn alle krank sind, ist das kein normaler Alltag. Dann darf der Standard sinken.
Vielleicht wird drei Tage lang nur bestellt. Vielleicht schauen die Kinder viel mehr Sendungen. Vielleicht bleibt das Spielzeug überall liegen und niemand räumt es weg.
Vielleicht besteht der Tagesplan aus:
essen – trinken – kuscheln – schlafen – wiederholen.
Und das reicht.
Und irgendwann ist die Welle vorbei
Das Schöne an Infekten ist zumindest: Sie gehen meistens wieder vorbei. Auch wenn es sich währenddessen endlos anfühlt. Bei uns heißt es gerade also: möglichst wenig müssen, möglichst viel ausruhen und gegenseitig darauf schauen, dass keiner komplett ausbrennt.
Und wenn dann irgendwann alle wieder gesund sind, kann man sich um den Haushalt kümmern, die Wäsche machen und darüber nachdenken, wie man eigentlich drei Tage lang Tiefkühlpizza, Hörspiele und Slalomlaufen an Spielsachen vorbei überlebt hat.
Für solche Wochen gilt bei uns: Gesund werden ist das einzige Projekt, das gerade wirklich zählt.
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