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Warum Elternsein und Ruhigbleiben manchmal so schwierig ist
„Du bist doch die Erwachsene.“
„Bleib einfach ruhig.“
„Nimm es nicht persönlich.“
Sätze, die wir Eltern wahrscheinlich alle schon einmal gehört haben. Und manchmal denken wir auch selbst: Warum schaffe ich es nicht, ruhig zu bleiben? Warum bringt mich das gerade so an meine Grenzen? Andere Eltern wirken viel entspannter.
Aber vielleicht liegt es gar nicht daran, dass wir zu wenig Geduld haben.Vielleicht ist Elternsein einfach unglaublich viel.
Gerade mit kleinen Kindern läuft unser Nervensystem den ganzen Tag auf Hochtouren. Jemand braucht etwas, jemand weint, jemand will getragen werden, das mühsam gekochte Essen wird verschmäht, die Windel muss gewechselt werden, die Geschwister streiten, gleichzeitig warten Nachrichten vom Kindergarten und Büro und irgendwo liegt noch nasse Wäsche und will aufgehängt werden. Selbst wenn gerade niemand etwas von uns möchte, sind wir gedanklich oft schon beim nächsten Bedürfnis oder spielen Szenarien im Kopf durch.
Forschung zu elterlichem Stress zeigt, dass genau diese vielen Anforderungen eine große Belastung darstellen können. Auch soziale Unterstützung spielt dabei eine wichtige Rolle.
Elternsein bedeutet, sich selbst und dazu noch ein weiteres Nervensystem zu regulieren
Das Herausfordernde daran: Kinder können ihre Gefühle noch nicht so regulieren wie Erwachsene. Sie brauchen uns dafür.
Unser Kind ist wütend – wir sollen ruhig bleiben.
Unser Kind ist traurig – wir sollen Sicherheit geben.
Unser Kind schreit – wir sollen nicht mitschreien.
Unser Kind kann nicht einschlafen – wir sollen geduldig bleiben.
Unser Kind hat einen schlechten Tag – wir sollen trotzdem funktionieren.
Wir regulieren also nicht nur unsere eigenen Gefühle. Wir begleiten gleichzeitig einen kleinen Menschen dabei, seine Gefühle überhaupt erst kennenzulernen und auszuhalten.
Das ist echte emotionale Arbeit und sie hört nicht einfach auf, nur weil wir selbst gerade müde, gestresst, krank oder überfordert sind.
Studien zur emotionalen Selbstregulation von Eltern zeigen, dass die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren, stark beeinflusst, wie Eltern auf die Emotionen ihrer Kinder reagieren und diese halten können.
Wenn die Akkus einfach leer sind
Ich kenne dieses Gefühl selbst sehr gut. Es gibt Tage, an denen ich meinen Kindern genau das geben möchte, was sie brauchen: Geduld, Nähe, Verständnis und Ruhe.
Und dann reicht ein weiteres „Mamiiii“, ein verschüttetes Glas Wasser oder ein Streit zu viel und plötzlich merke ich, dass meine Geduld zu Ende ist. Nicht weil ich meine Kinder weniger liebe. Sondern weil meine Kapazität erschöpft ist.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied. Denn wenn wir glauben, wir müssten einfach geduldiger, entspannter oder konsequenter sein, machen wir aus einem überlasteten Nervensystem schnell persönliches Versagen. Dabei brauchen wir manchmal nicht noch einen Erziehungstipp. Wir brauchen eine echte Pause.
Was Eltern wirklich helfen kann
Für mich bedeutet das vor allem, die eigenen Erwartungen immer wieder an die Realität anzupassen.
An manchen Tagen wird frisch gekocht, gemeinsam aufgeräumt und am Nachmittag noch ein Ausflug gemacht. An anderen Tagen gibt es Tiefkühlpizza, mehr Bildschirmzeit und wir bleiben einfach auf der Couch. Beides darf Familienalltag sein.
Wenn ich merke, dass meine Energie knapp wird, versuche ich nicht mehr unbedingt, mich zusammenzureißen. Ich frage mich eher: Was würde mir gerade helfen, wieder ein bisschen aufzutanken und zur Ruhe zu kommen?
Vielleicht zehn Minuten alleine.
Vielleicht ein Kaffee oder Tee in Ruhe genossen.
Vielleicht mehr Hilfe von der Familie.
Vielleicht eine kurze Meditation.
Wir müssen nicht perfekt reagieren
Natürlich werden wir trotzdem manchmal laut. Wir werden ungeduldig. Wir reagieren anders, als wir es uns vorgenommen haben. Auch das gehört dazu.
Für mich ist deshalb ein anderer Gedanke viel hilfreicher als der Anspruch, immer ruhig und freundlich zu bleiben: Wir können es wieder gut machen.
Wir können später sagen: „Das war gerade zu viel für mich. Es tut mir leid, dass ich so laut geworden bin. Mein Verhalten war nicht in Ordnung.“
Wir können unser Kind wieder in den Arm nehmen. Wir können erklären, was passiert ist.
Und wir können es beim nächsten Mal versuchen, besser zu machen.
Elternsein bedeutet für mich nicht, niemals überfordert zu sein, nie laut zu werden, nie Fehler zu machen. Es bedeutet vielmehr, immer wieder zurück in die Verbindung zu meinem Kind und meiner Familie zu finden.
Die bessere Frage
Wenn wir das nächste Mal denken: Warum schaffe ich das gerade nicht besser? „Wieso sieht es bei den anderen so einfach aus?“ könnten wir uns stattdessen fragen:
Was brauche ich gerade, damit ich wieder etwas mehr Kapazität habe?
Mehr Schlaf?
Weniger Termine?
Eine Pause?
Unterstützung?
Weniger Ansprüche an den Haushalt?
Mehr Zeit mit dem Partner oder der Partnerin, mit Freunden?
Oder einfach die Erlaubnis, dass heute nicht alles funktionieren muss?
Denn Elternsein ist keine Prüfung, die wir jeden Tag perfekt bestehen müssen.
Es ist eine unglaublich intensive Beziehung. Wir begleiten unsere Kinder durch ihre großen Gefühle, während wir gleichzeitig versuchen, mit unseren eigenen klarzukommen.
Dass uns das manchmal an unsere Grenzen bringt, bedeutet nicht, dass wir schlechte Eltern sind.
Es bedeutet, dass wir Menschen sind.
Wir Eltern brauchen nicht noch mehr Druck, es besser zu machen.
Wir brauchen eine realistische Wahrnehmung dafür, wie viel wir eigentlich jeden Tag leisten und mehr liebevolles Verständnis für uns selbst.



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